Диссертация (1101206), страница 40
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Aber ist estatsächlich derselbe Marmor? Hallo Diane!Diane Arapovic: Hallo!Moderatorin: Was hast du rausgefunden?Diane Arapovic: Ich war natürlich erst mal dort und es iss schon ziemlichbeeindruckend, denn da im U-Bahnhof die Wände und die Säulen aus diesemdunkelrotem Marmor... Es hängen kaum Werbeplakate. Man fühlt sich da schon wie soin einer anderen Zeit. Und dort im U-Bahnhof habe ich die Geologin GerdaSchirrmeister getroffen.
Die macht Stadtführungen, bei denen sie erzählt, wieso welcherStein in Berlin wo verwendet wurde. Und von ihr hab ich erst mal erfahren, dass dieserSteinart Saalburger Marmor heißt, weil er aus Thüringen stammt.16Frau Schirrmeister, als Geologin, was wissen Sie über den Saarburger Marmor,was macht ihn denn so reizvoll?Schirrmeister: Der Saalburger Marmor ist eigentlich ein Kalkstein. Der NameMarmor weist darauf hin, dass er so beliebt ist und dass er als wertvoll angesehen wird.Was ihn so schön macht, ist seine kräftige rote Farbe.
Diese Farbe beruht auf feinverteiltes Eisen. Dieses Eisen ist oxydiert.Diane Arapovic: Sie kennen auch die Legende von dem roten Marmor, der ausder Neuen Reichskanzlei hierher transportiert wurde, um hier verbaut zu werden.Welche Hinweise gibt es, dass es derselbe Marmor sein könnte.Schirrmeister: Also erst mal steht fest, dass so eine Kalksteinsorte in derReichskanzlei verbaut gewesen ist. Man hat damals eben das einheimische Material ausThüringen dort sehr gern verwendet neben vielen anderen Sorten. Und es gibt aucheinen Zeitzeugen, den Telefonisten der Reichskanzlei, den Rochus Misch, der gesagthat, es sind Platten aus der Landgalerie aus dem Fußboden verwendet worden.
Wie vielallerdings, das lässt sich jetzt nicht mehr feststellen.Moderatorin: Klingt schon mal so, als ob es iss da was dran an dieser Legende.Diane Arapovic: Ja, aber leider es iss ja nur eine Aussage, noch kein handfesterBeweis. Auf der Suche nach wissenschaftlichen Belegungen bin ich auf Hans-ErnstMittig gestoßen. Das ist ein Kunsthistoriker und Professor. Und ein Aufsatz von ihm,den man auch im Netz finden kann, heißt „Der Marmor aus der Reichskanzlei“.Herr Mittig, im Krieg ist die Reichskanzlei zerstört worden. Was ist denneigentlich mit den Trümmern passiert?Mittig: Sie ist ja nicht total zerstört worden, sondern es blieb eine Ruine stehen,der man noch diese Legende über den roten Marmor entnehmen konnte.
Und das kannauch geschehen, dass es die Frage ist dann, wo ist der Marmor geblieben.17Diane Arapovic: Aber dann liegt’s doch nah, dass aus eben diesen Trümmern derrote Marmor geholt wurde, um den U-Bahnhof auszukleiden, denn der lag ja direktdaneben. Oder welche Argumente sprechen für Sie dagegen?Mittig: Es spricht nichts dagegen, aber es spricht auch nichts dafür. Vor allemnicht, dass der Bahnhof „Mohrenstraße“ ja direkt neben dem Grundstück der NeuenReichskanzlei liegt. Aber wenn roter Marmor aus der Reichskanzlei für die U-Bahnverwendet worden sein sollte, dann konnte er keines Wegs über den kurzen Wege dahingebracht werden, sondern er musste in einer Werkstatt neu bearbeitet werden, die esdort niemals gegeben hat.
Er hätte dann nach Thüringen transportiert werden müssenwahrscheinlich, um dort bearbeitet zu werden. Und dafür sprechen auch Quellen aus derBaumszeit des U-Bahnhofs und das sollte man als das Grundfeste jedes Versuches,diesen Marmor noch zu lokalisieren, festgehalten werden.Diane Arapovic: Professor Mittig sagt also, wenn es sich um den Marmor aus derReichskanzlei handelt, muss er bevor in Thüringen bearbeitet worden sein, was er abereher für unwahrscheinlich hält.Moderatorin: Was sind denn dann das für Quellen, von denen spricht derProfessor?Diane Arapovic: Das sind ein Zeitungsartikel von damals, da schreibt zumBeispiel die Berliner Zeitung da am 19.
August 1950, dem Tag der feierlichenEröffnung des U-Bahnhofs.„Bis zur letzten Minute seien die Arbeiter auf diesem Bahnhof am Werk gewesenund die letzten Arbeiten erst in der vergangenen Nacht aus Thüringen eingetroffen,erklärte der leitende Direktor der BVG“.Da also kein Hinweis. Auch in einer anderen Artikel auf den Marmor derReichskanzlei. Und es gibt noch ein weiteres eindeutigeres Indiz und zwar ein nichtöffentlicher Bericht von BVG an den Magistraten von Berlin damals 1950. Der liegtheute im Landesarchiv Berlin.18„Die Arbeiten beim U-Bahnhof nehmen bis auf die Marmorarbeiten der Wändeeinen planmäßigen Verlauf.
Hauptschwierigkeiten lagen beim Zerschneiden derMarmorblöcke, da Marmorwerke in schwieriger Lage wegen Sägeblätter“.In diesem Bericht ist also von Marmorblöcken die Rede, die man für den UBahnhof zurecht schneiden muss. Aber was man heute eindeutig weiß, ist, dass es sichbei Marmor aus der Reichskanzlei definitiv nicht um Blöcke handelte, sondern umMarmorplatten.Moderatorin: Also nach deiner Recherche kannst du ausschließen, dass es sichum denselben Marmor handelt?Diane Arapovic: Na, es gibt also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es nicht ist.Aber trotzdem bleiben Fragen offen, haben die Zeitungen damals aus politischenGründen geschrieben, was sie geschrieben haben, und hat man nicht vielleicht doch,aber denn eben heimlich, weil eben vor der Öffnung alles schneller gehen muss, einPaar Marmorplatten aus der Reichskanzlei im U-Bahnhof verbaut.
Aber das kann, wiegesagt, heute niemand mehr nachweisen.Moderatorin: Vielen Dank, Diane!• LitfaßsäuleModeratorin: Mit ihr beginnt die Erfolgsgeschichte der öffentlichen Werbung fürüber 160 Jahren. Und jeder ist schon mal an einer vorbei gelaufen, denn es gibt nochüber 3000 Stück allein in der Innenstadt von Berlin von den Litfaßssäulen. Und wie beivielen Dingen sind die Berliner auch mächtig stolz drauf, dass sie original BerlinerErfindung ist. Es gibt sogar ein Denkmal, an der Stelle, an der vor fast 160 Jahren dieerste Berliner Litfaßssäule aufgestellt wurde. Ja, aber war das wirklich die allererste derWelt? Diane Arapovic ist mal auf Spurensuche gegangen.
Hallo Diane!Diane Arapovic: Hallo!Moderatorin: Wo hast du denn begonnen deine Suche?19Diane Arapovic: Also genau da, wo angeblich die erste Litfaßsäule stand, inBerlin in der Münzstraße nah dem Alexanderplatz. Da steht das gusseiserne Denkmal,natürlich eine Säule für Ernst Theodor Amandus Litfaß, den gefeierten Erfinder. 1855soll er eben genau an dieser Stelle seine erste Säule aufgestellt haben, damals noch ausHolz. Und dabei war Ernst Litfaß gar kein Schreiner, sondern er besaß eine Druckereiund damit war auch nicht ganz unschuldig daran, wie es zu seiner Zeit in Berlinausgesehen hat.
Wie Kraut und Rüben nämlich. Das hat mir der Kultur- undMedienwissenschaftler Doktor Steffen Damm von der FU Berlin erzählt.Damm: Man sprach damals noch Mitte des 19. Jahrhunderts vom sogenanntenHautausschlag der Städte. Also überall wird palimpsestartig plakatiert, wo immer es nurging. Sowohl öffentliche Anschläge, als auch Plakatierungen von Privatleuten,Veranstaltungshinweise, Statements aller Art. Ja, im Prinzip findet man diese Form der<…> Zettelwirtschaft ja auch heute noch.
Ja, nur iss es eben heute im Unterschied zumfrühen 19. Jahrhundert doch sehr viel stärker reglementiert.Diane Arapovic: Das kann man auch alles nachlesen in seinem Buch „ErnstLitfaß – eine Kulturgeschichte der Litfaßsäule“. Und da steht auch, dass dieses ganzeChaos vor allem den Behörden ziemlich auf die Nerven gegangen ist, weil sie eigentlichnicht wussten, wie sie damit umgehen sollen.Moderatorin: Super! Und dann kam der Litfaß und sagte: „Mensch, ich hab damal ne Idee. Wir stellen so ne Säule auf“.Diane Arapovic: Ja genau, aber nicht nur das.
Litfaß hat der Stadt seine Säulevorgestellt und sich zusätzlich beim Polizeidirektor persönlich das alleinige Rechtzusichern lassen, von nun an der einzige Plakatierer der Stadt zu sein. Und das kannman auch in einer Aktennotiz vom 5. Dezember 1854 lesen.„Dem Buchdrucker Ernst Litfaß, allhier ansässig in der Adlerstraße 6, wird aufderopersönlichesErsuchenhingestattet,auffiskalischemStraßenterrainAnschlagsäulen zwecks unentgeltlicher Aufnahme der Plakate öffentlicher Behörden20und gewerbsmäßiger Veröffentlichungen von Privatanzeigen zu errichten. Alles anderePlakatieren von Zetteln ist künftig verboten.“Der Deal mir der Stadt also war, er druckt und klebt für umsonst dieAnkündigungen der öffentlichen Behörden an seinen Säulen.















